Wenn
ich so am Brunnen stehe...
Gedankenlos dreht
man heute oft den Wasserhahn auf, lässt das Wasser laufen und
laufen... Sein Vorhandensein ist für den modernen Menschen
selbstverständlich. Wie aber war das früher?
Darüber habe ich mir so meine Gedanken gemacht.
Wenn ich an warmen
Tagen in die Innenstadt komme, bedaure ich, dass es in Lübeck
keinen dekorativen, gemütlichen Springbrunnen gibt, an dem
sich die Menschen treffen zum müßigen Verweilen. Ein
einfacher Mühlstein, über den ein wenig Wasser rinnt,
im Innenhof des Rathauses - welch sparsame Huldigung an dieses
Element, das uns hier von allen Seiten umgibt.
Meine Erinnerungen
an Stuttgart, wo ich vor über zwanzig Jahren lebte, sind
größtenteils verblasst, bis auf die Bilder der
zahlreichen, für diese Stadt so typischen Brunnen. An jedem
Platz oder Plätzle stand ein mehr oder weniger
geschmackvolles, wasserspeiendes Etwas. Man singt hier nicht ohne
Grund: Jetzt gang i ans Brünnele...
Karin
Rohner 1990
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