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Lübeck
- Dachluken und Orgeln
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Foto Karin Rohner 2005
Dachluken in Lübeck
Backstein farben
schrägt sich der Blick
Rotspon getränkt
kein Fuß auf Erden
der Wind verebbt
und durch die Hülle
der Gedanken
schlängeln die Dächer
Bronze getönt
im Grenzbereich
pathetisch grau
Grünspanhauben
trotzen Nahhorizonten
Fantasie und Köpfchen
kurbeln den trägen
Hansehimmel höher
© Karin Rohner 2004
E.
E.
Stender an der Großen Orgel der Marienkirche zu L.
Zwanzig unendliche Minuten braucht er, um seinen luftigen Arbeitsplatz
zwischen
Himmel und Erde zu erreichen. Unterm Spitzbogen, zur Gaube hinaus,
über
das grüne Kupferdach, den schmalen Holzsteg oberhalb des
Kirchenschiffs, zur nächsten Luke herein. Wie Buxtehude das
damals
schaffte! Nahm er doch sein Leben lang denselben Weg. Zeitweise auch
Bach, der die Tochter nicht wollte, als Zugabe zum Organistenposten.
Buxtehude, Bach - die Reihenfolge stimmt. Dann Griegs Peer-Gynt-Suite.
Anitras Tanz hallt Marokkanisch durch die gotischen Gewölbe.
Ein
überdimensionales Orchester, dem eigenen Echo
hinterherschwebend.
Als die Stimmen und Pfeifen verstummen, wenden wir die Hälse,
blicken
empor. Bis er sich endlich zeigt, links neben der Großen
Orgel, über
die Brüstung gebeugt. So klein und fern und weit. Er winkt und
wir
klatschen, und ich winke zurück. Die weißen
Pfeiler schwimmen im
Abendlicht - und ich würde gern wissen, wie viele Tage seines
Lebens er
dort verbrachte, bei seinem Instrument, dem Erdboden entrückt.
Während ich auszurechnen versuche, ob ihn der Weg zur Erde
einige
Minuten weniger kosten mag als der nach oben,
entschwindet er meinem
Blickfeld, und die ganze Kletterei scheint mir nicht geheuer. Denn
schließlich sind schon weit mehr Menschen die Treppen
hinunter als
hinauf gefallen. Marienkirche zu Lübeck
© Karin Rohner 2003
Lübeck-Themen
1.
Zu
Lübeck auf der Brücken
2.
Lübeck,
Holstein
3.
Rilke
trifft Novalis
4.
Bau
der Marienkirche-Storm
5.
Dachluken
und Orgeln
6.
Lübeck.
vor Ort
Meer-Gedichte
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