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Selbstgeständnis
Ich bin meiner Mutter einzig Kind,
und weil die andern ausblieben sind,
was weiß ich wieviel, die Sechs oder Sieben,
ist eben Alles an mir hängen blieben;
Ich hab' müßen die Liebe,
die Treue, die Güte
für ein ganz halb Dutzend allein aufessen,
ich will's mein Lebtag nicht vergessen.
Es hätte mir aber noch wohl mögen frommen,
hätt' ich nur auch Schläg' für Sechse
bekommen.
Eduard
Mörike
Sie
ist
ich und ich bin sie...
Wenn ich morgens in den Spiegel schaue,
erschrecke ich manchmal.
Ich mag es akzeptieren oder nicht -
ich sehe meiner Mutter immer ähnlicher.
Das wäre nicht weiter schlimm.
So hässlich sind oder waren wir beide nicht.
Nur wollte ich das nie...
Ich denke, sie hatte den gleichen Gedanken,
als sie mir während eines Ostsee-Urlaubs
ständig in den Ohren lag, ich solle mich schminken.
Kannte sie doch seit Jahrzehnten nur mein Ausgeh-Besuchs-Gesicht.
Ich wunderte mich - weil sie sich selbst nie schminkte -
und ging aus Protest ungeschminkt mit ihr einkaufen.
Manche Menschen behaupteten schon vor Jahren, wir sähen
einander ähnlich. Was ich aber nicht sah oder sehen wollte.
Damals erkannte ich mich noch nicht...
Um sie mir heute aus dem Gesicht zu schminken,
müsste ich tief in den Farbtopf greifen.
© Karin Rohner, 23. April 2006
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