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I. Mitternacht
Schaurig tönts um dunkle Ecken:
Fauchen, Kreischen, schriller Schrei.
Schatten gleiten aus Verstecken,
warten hinter dunklen Ecken...
Kein Entrinnen aus dem Schrecken
Glieder starren schwer wie Blei...
Hörst du hinter dunklen Ecken
grelles Kreischen, schrillen Schrei?
DQ 4.12.2003
II. Traumsalat
Seit ich vom Traumsalat gegessen,
renn ich den Träumen hinterher.
Ich bin vom Träumen ganz besessen,
seit ich den Traumsalat gegessen.
Früher da hatt ich noch Intressen,
einfach zu träumen fiel mir schwer.
Doch seit ich vom Salat gegessen -
vergessen kann ich dich nicht mehr.
cam 24.12.2003
III. Botschaft
Wo sind sie hin, die Abendraben,
die Liebesboten, treu und klug,
die manchen Gruß getragen haben -
wo sind sie hin, die Abendraben?
Doch sieh: bepackt mit Liebesgaben
erhebt sich schwarz ein Vogelzug -
es gibt sie noch, die alten Raben,
die Herzensboten, treu und klug!
DQ 26.12.2003
IV. Abendraben
Wer redet hier von Abendraben
und ihrem nächtgen Vogelzug?
Sieh, all die süßen Liebesgaben
die Raben selbst gefressen haben.
Statt dich und mich recht zu erlaben,
machten die Raben nur Unfug.
Jetzt wart ich auf die sieben Raben
und hoffe, die sind rabenklug!
cam 26.12.2003
V. Alles Schwindel
Die Raben hätten alles selbst gefressen?
Nein, so was tun die braven Boten nicht!
Noch schleckst du dir den Mund - und sagst indessen,
die Raben hätten alles selbst gefressen...
Dir war die Menge bloß zu klein bemessen,
du möchtest einfach mehr - behaupt' ich schlicht.
Sie hätten alles (sagst du) selbst gefressen?
Ich weiß genau, das tun die Braven nicht!
DQ 26.12.2003
Inhalt
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Kra-Kra,
Alte
Hexe, Mond
Mitternacht,
Traumsalat...
Wo
denkst du hin, Schwarzer Peter...
Lunare
Kapriolen
Geistertarot
Nachtgespenst
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VI. Mit jedem Atemzug
Nach Liebesgaben lechze ich mit jedem Atemzug.
Herzliebster, du hast mich sofort durchschaut.
Scheints mir zu wenig, schieb ichs auf den Rabenzug.
Von Liebesgaben krieg ich wahrlich nie genug.
Doch hinterher, da üb ich mich im frommen Selbstbetrug -
Nachtraben hätten mir mein liebend Herz geklaut...
Du glaubst, ich lüge bis zum letzten Atemzug?
Herzliebster, bitte, sag es nicht zu laut!
cam 26.12.2003
VII. Intermezzo
Wir zwei am Galgen, Seit an Seit,
umkreist von wilden Raben.
Vom steten Takt der Zeit befreit,
baumeln wir beiden, Seit an Seit,
am morschen Seil der Ewigkeit,
die wir durchschritten haben.
Zum Hexenpossenspiel bereit,
fliegen wir fort als Raben.
cam 27.12.2003
VIII. Wortsalat? Nein danke!
Ich mag ihn nicht, den welken Wortsalat.
Viel besser schmecken Floskeln, frisch geröstet,
dazu Gedankenwein, gekühlt (bei 16 Grad),
doch keineswegs der welke Wortsalat.
Als Nachtisch dann ein klassisches Zitat,
das auf der Zunge süß zergeht und tröstet...
Doch räumt mir fort den welken Wortsalat
und schaut, daß ihr die Floskeln knusprig röstet!
DQ 27.12.2003
IX. Götzzitat
Sehnsüchtig wart ich auf den Rabenliebesboten.
Was wirft er ab? Ein altbekanntes Götz-Zitat!
Und mittenmang den zwiebelträchtgen Wurschtsalat.
Lohnt sichs, zu warten auf den Rabenliebesboten?
Seht, ein paar Tropfen von dem Fusel-Wein, dem roten,
den unterwegs er peisgünstig erstanden hat,
gießt er auf mich, der schrecklichste der Liebesboten.
Ich schrei zum Himmel das bekannte Götz-Zitat.
cam 27.12.2003
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