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Das Nachtgespenst
Legst Du Dich am Abend nieder,
Ehe Du noch richtig pennst,
Schüttelt seine bleichen Glieder
Das hauseigne Nachtgespenst.
Hält sich blind an Etikette,
Heult nicht laut, spukt meistens stumm,
Trägt als Hemd 'ne Eisenkette,
Darum geht's gespenstisch krumm.
Schleicht die Treppen auf und ab
Auf gesteppten Geistersohlen.
Meistens hungrig, nicht zu knapp,
Geht es was vom Kühlschrank holen.
Und am Morgen hörst Du's klagen:
Wieder eine Nacht durchwacht!
Muss heut mal den Doktor fragen,
Was das Biest so munter macht.
Kalte Hände, kalte Füße,
Von der Stirne rinnt der Schweiß.
Hormonstörung? Endzeitgrüße?
Keiner da, der's wirklich weiß!
Liebeskummer, kaum Bewegung,
Schweres Essen, roter Wein,
Schwankende Gemütserregung -
Könnten ein paar Gründe sein.
Hör dich jammern nun seit Tagen:
Bald ist Vollmond? Fürchterlich!
Trau mich kaum, es laut zu sagen:
Das Gespenst, das bin ja ich!
Karin Rohner 2002
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