|
Mein Lied
Ghasele *
Du bist der Duft, der meine Seele speiset, verlaß mich nicht!
Traum, der mit mir durchs Leben reiset, verlaß mich nicht!
Du Paradiesesvogel, dessen Schwinge ungesehn
Mit leisem Säuseln mich umkreiset, verlaß mich nicht!
Du Amme mir und Ammenmärchen der Kindheit einst!
Du fehlst, und ich bin noch verwaiset. Verlaß mich nicht!
Du, statt der Jugend mir geblieben, da sie mir floh:
Wo du mir fliehst, bin ich ergreiset! Verlaß mich nicht!
O Du mein Frühling! Sieh, wie draußen der Herbst nun
braust;
Komm, daß nicht Winter mich umeiset, verlaß mich
nicht!
O Hauch des Friedens! Horch wie draußen das Leben tobt!
Wer ist, der still hindurch mich weiset? Verlaß mich nicht!
O du mein Rausch! Du meine Liebe! O du mein Lied!
Das hier durch mich sich selber preiset, verlaß mich nicht!
Friedrich Rückert (1788-1866)
Stichwort Ghasele *
Ghasel ist eine romantische Liedform,
die im 8. Jahrhundert im
südasiatischen
Raum zwischen Indien und Persien
entstanden ist und seit
dem 19.
Jahrhundert auch in deutscher Dichtung
vorkommt.
Ein Ghasel besteht aus zweizeiligen
Strophen, deren zweiter Vers immer
den in der ersten Strophe angewandten
Reim hat.
Im Deutschen wurde die Form besonders
von August Graf von Platen und Friedrich
Rückert aufgegriffen.
Ghasel
und andere Formen
|
|
Herzschmerz und Sehnsucht
1.
Seele der Liebenden
2.
Weißt du noch?
3.
Liebesfrühling
4. Er ist
gekommen
5.
Liebesfeier
6. Mein Lied
|