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Hab
Sonne im Herzen...
Glanzbilder (Oblaten)
Im Wartezimmer der Zahnärztin. Gedankenlos blättere
ich in einer
Frauen-Zeitschrift. Und da - ein freudiger Schreck - es gibt sie noch:
Glanzbilder. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sie sich als ganz
gewöhnliche "Sticker".
Doch im Traum sehe ich sie wieder vor mir, diese Glanzbilder aus
Kindertagen. Wenn ich morgens in die Schule kam, waren einige
Mädchen schon dabei, sie besahen oder tauschten ihre
Glanzbilder.
Beim Kaufmann im Dorf gab es sie: Bunte Bögen, die man im
Ganzen sammeln oder auseinandertrennen konnte. Täglich
wünschte
ich mir, mal einen vollständigen Bogen zu besitzen. Meine
Eltern
waren nicht so unbesonnen, Geld für einen derartigen
Luxusartikel
auszugeben. Ich musste warten, bis mal irgendwo ein Bildchen abfiel.
Ob Märchenbilder oder Blumenbilder - wählerisch
durfte ich nicht
sein. Besonders angetan hatten es mir die Weihnachtsbilder.
Pausbäckige Engel auf weißen Wattewolken.
Weihnachtsmänner
in roten Mänteln und mit roten Nasen. Schlitten ziehende
Rentiere.
Das Christkind im weißen Flatterhemd. Ein bisschen zu blass
und zu
ernst. Das Lachen war den kleinen kecken Engeln vorbehalten.
Eines Tages begann ich, mir meine Glanzbilder selber zu malen.
Zwar fehlte ihnen die reliefartige Oberfläche und ein wenig
Glanz.
Doch in meiner Schule waren meine Bilder heißbegehrt. In der
6.Klasse brach gerade das Poesie-Album-Fieber aus. Tag für Tag
schleppte ich ein Album einer meiner zahlreichen
Mitschülerinnen
nach Hause, mit dem Auftrag, einen Spruch oder ein Gedicht hinein
zu schreiben. Und - besonders wichtig - um ein Alpenveilchen dazu
zu malen. Ich hätte gern mal etwas anderes gemalt. Doch wenn es
ausdrücklich hieß: So ein Alpenveilchen, wie du bei
Inge, Waltraud,
Irene ... gemalt hast, das möchte ich auch haben! Meistens
schrieb
ich:
Hab Sonne im Herzen,
obs stürmt oder schneit,
der Himmel voll Wolken,
die Erde voll Streit.
Hab Sonne im Herzen,
da komme, was mag,
das leuchte voll Licht dir
den dunkelsten Tag.
Ein Alpenveilchen nahm sich immer gut aus. Außerdem kam ich
mir
ziemlich gescheit vor. In den Worten lag ein auch für mich
verständlicher Sinn. Was sollte ich hingegen von einem Spruch
wie
diesem halten:
Ich lag im Garten und schlief,
da kam ein Engel und rief:
Marita, du sollst auferstehn
und zu deiner Freundin gehn!
Das ganze gekrönt von einem überdimensionalen,
breitflügeligen
Glanz-Engel! "Hab Sonne im Herzen..", wurde mir mit der Zeit doch
zu langweilig. Als ganz hilfreich erwies sich ein Buch, kaum dicker als
ein Schulheft. Kinder-Gebetbüchlein - stand darauf.
Ein jedes Wiesenblümchen spricht:
Vergiss des lieben Gottes nicht!...
schrieb ich zur Abwechslung in ein Album. Für mich eine
willkommene
Gelegenheit, ein paar Gänseblümchen zu malen.
Beschwerden gab es
zwar nicht. Dennoch, so ein Renner wie die Sonne im Herzen samt
Alpenveilchen wurde die Sache nicht!
Meine Mutter tat die ganze Poesie-Alben-Angelegenheit als
Superkitsch ab. Ich schloss mich ihrer Meinung nur zu gern an und
beantwortete die Frage von lieben Verwandten, ob ich zum Geburtstag
oder zu Weihnachten auch ein Album haben wolle, mit einem
entschiedenen Nein. Auf diese Weise ersparte ich mir die für
mich
peinliche Aufgabe, die Mädchen in meiner Klasse mit dem Satz zu
belästigen: Schreib mir doch biite mal etwas in mein
Poesie-Album!
Von den Jungen gar nicht zu reden.
Von weitem blicke ich auf insgesamt 10 plus 2 Schuljahre an
fünf
verschiedenen Schulen und Orten zurück. Ich weiß,
die Zeit lässt sich
nicht zurück drehen. Aber, wenn ich einen Wunsch frei
hätte - für
dieses Weihnachtsfest wünschte ich mir ein ganz altmodisches
Poesie-
Album, auf jeder Seite mindestens ein Glanzbild. Dafür
würde ich gern
ein paar weise Sprüche in Kauf nehmen.
© Karin Rohner 1984/2005
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1.
Weisheiten-Zitate
2.
Veränderung
3. Poesie-Album
4.
Aphorismen
5. Dumme
Sprüche
Weihnachtsgedichte
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