Zahnweh - davon kann ich ein
Liedchen singen. Das liegt bei uns in der Familie. Schon in jungen
Jahren habe ich meine Mutter zum Zahnarzt begleitet. Wir wohnten auf
dem Lande und der Zahnarztbesuch war jedesmal eine Tagesreise.
Meine Mutter hatte ständig irgendeine Wurzelbehandlung am
Laufen. Und früher oder später erwiesen sich diese
Qualen als vergebliche Mühe - der Quälgeist
wurde dann doch gezogen.
Das
Zahnweh
Das Zahnweh, subjektiv genommen,
ist ohne Zweifel unwillkommen;
doch hats die gute Eigenschaft,
daß sich dabei die Lebenskraft,
die man nach außen oft verschwendet,
auf einen Punkt nach innen wendet
und hier energisch konzentriert.
Kaum wird der erste Stich verspürt,
kaum fühlt man das bekannte Bohren,
das Zucken, Rucken und Rumoren,
und aus ists mit der Weltgeschichte,
vergessen sind die Kursberichte,
die Steuern und das Einmaleins,
kurz, jede Form gewohnten Seins,
die sonst real erscheint und wichtig,
wird plötzlich wesenlos und nichtig.
Ja, selbst die alte Liebe rostet,
man weiß nicht, was die Butter kostet,
denn einzig in der engen Höhle
des Backenzahnes weilt die Seele,
und unter Toben und Gesaus
reift der Entschluß: Er muß heraus!
Wilhelm
Busch
Die
Selbstkritik hat viel für sich
Die Selbstkritik hat viel
für sich.
Gesetzt den Fall, ich tadle mich,
So hab' ich erstens den Gewinn,
Daß ich so hübsch bescheiden bin;
Zum zweiten denken sich die Leut,
Der Mann ist lauter Redlichkeit;
Auch schnapp' ich drittens diesen Bissen
Vorweg den andern Kritiküssen;
Und viertens hoff' ich
außerdem
Auf Widerspruch, der mir genehm.
So kommt es denn zuletzt heraus,
Daß ich ein ganz famoses Haus.
Wilhelm
Busch
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