LiebesgedichteLiebesgedichte

Ein Liebesgedicht ist eine Art von Gedicht und eine Form des Ausdrucks von Liebe. Dichter können Liebesgedichte schreiben, aber auch Menschen im Allgemeinen. Handelt es sich um einen Brief, wird er als Liebesbrief bezeichnet. Es gibt auch Romane und Opern, die aus Liebesgedichten entstanden sind.

"Lieben heißt, Freude daran zu haben, einen Gegenstand, der liebenswert ist und der uns liebt, zu sehen, zu berühren, mit allen Sinnen und so nah wie möglich zu spüren."
So beschreibt Stendhal in seinem "De l'amour" den Moment der Liebe. Er verbindet die sensorischen Eindrücke mit einem Gefühl, das in der Nähe des geliebten Objekts seinen Anfang nimmt. Der Ausgangspunkt liegt tatsächlich in demjenigen, der liebt, der diese Freude beim Anblick von ... empfindet.

Manche Autoren beschreiben das Phänomen die Liebe als ein Gedicht, etwas, das man macht, das man komponiert, das man will. Sie verbinden die Liebe mit einer Schöpfung, und wenn man sich an die eigentliche Etymologie des Wortes Gedicht, an den Akt der Schöpfung, hält, wäre die Liebe ein Werk, dessen Autor das liebende Subjekt selbst ist. Die 3 relativen Nebensätze entfalten diesen Schöpfungsakt: Herstellung, Komposition und Wunsch/Wille; die Liebe wäre also ein Objekt, das vom Liebenden bearbeitet, geordnet und gewünscht wird.

Ist es richtig, den Philosophen zuzustimmen, dass die Liebe eine Schöpfung ist, ein Objekt, das vom liebenden Subjekt gewünscht wird? Im Lichte der unterschiedlichen Werke können wir feststellen, dass die Liebe einer Schöpfung gleicht, einem Werk, das vom liebenden Subjekt hervorgebracht wird. Oftmals scheint es jedoch so zu sein, dass das liebende Subjekt durch die Liebe verändert wird. Ist die Liebe also nicht eher eine zufällige Alchemie als eine geordnete Poetik?

Indische Serenade

Ich erwach' aus Träumen von dir
Im ersten Schlummer der Nacht,
Wenn die Winde flüstern im Laub,
Und die Sterne schimmern voll Pracht.
Ich erwach' aus Träumen von dir,
Und ein magischer Zauber trieb
Meine Schritte mit stürmender Hast
Zu deinem Fenster, mein Lieb.

Die Lüfte schweigen so bang
Auf dem stillen und dunklen Strom;
Wie ein lieblicher Traum verweht
Der Champakblüthen Arom;
Der Nachtigall Klagelied
Erstirbt in ihrer Brust,
Wie ich in dir vergeh',
Du mein Leben, meine Lust!

O, hebe mich empor!
Ich sterb', ich verschmachte hier!
Auf Lippen und Augen laß
Deine Küsse regnen mir!
Meine Wang' ist bleich und kalt,
Wildstürmisch pocht die Brust!
O, schließ mein Herz an deins,
Wo es brechen wird vor Lust!

Percy Bysshe Shelley (1792 - 1822); Quelle: "Ausgewählte Dichtungen" übersetzt von Adolf Strodtmann (1829 - 1879)


Meine Sehnsucht ist ein dunkles Boot,
Löst vom Strande sich im Abendrot.

Deine Schönheit ist ein weißer Schwan,
Mondenschimmer ruht auf seiner Bahn.

Einmal findet auf der Hohen Flut
Boot zu Schwan. -- Und dann ist alles gut ...

Ernst Goll; Aus der Sammlung "Im bitteren Menschenland. Nachgelassene Gedichte."


Über die Welt hin ziehn die Wolken,
Grün durch die Wälder
Fließt ihr Licht.
Herz vergiß!

In stiller Sonne
Lebt lindester Zauber,
Unter wehenden Blumen blüht tausend Trost.

Vergiß! Vergiß!

Aus fernem Grund pfeift, horch, ein Vogel ...
Er singt ein Lied.

Das Lied vom Glück!

Vom Glück.

Arno Holz (1863 - 1929); Aus "Phantasus"

 

Weitere schöne Liebesgedichte

 


Ich liebe dich, bin toll verrückt von Sinnen - zum Glockenspiel machst du mein Herz.
Nichts was du, Liebste, tust, kann mir entrinnen in meinem Schmerz.

Ein jeder Blick von dir - lässt mich vor Sehnsucht zittern und erbeben.
Schenktest Du mir deine Liebe, ich geb‘t dafür mein Leben.

Aramis (Charlie Sheen); Die drei Musketiere (1993)


"Lasst Raum in eurer Zweisamkeit, und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen. Liebt einander, aber knüpft nicht ein Band der Liebe: Lasst es vielmehr ein bewegliches Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein. Füllt euch gegenseitig den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher. Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht von demselben Laib. Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden von euch allein sein, so wie die Saiten einer Laute allein sind, obwohl sie mit derselben Musik beben. Gebt eure Herzen, aber nicht in die Obhut des anderen. Denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen festhalten. Und steht zusammen, doch nicht zu nahe beieinander: Denn die Säulen des Tempels stehen auseinander, und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten des anderen."

Khalil Gibran; Der Prophet (1923)


Als ich dich durfte herzen
die erste Nacht,
da hast du aus all meinen Schmerzen
eine Stille gemacht.

Doch leise, im steten Erschüttern
dass ich dein bin,
geht über die Stille ein Zittern
wie über ein Wasser hin.

Rudolf G. Binding (1867 - 1938)


"Die Liebe ist schwer und leicht, hell und dunkel, heiß und kalt, krank und gesund, schlafend und wach - sie ist alles, nur nicht das, was sie ist!" [William Shakespeare, Romeo und Julia (1. Akt, 1. Szene)]
"Love is heavy and light, bright and dark, hot and cold, sick and healthy, asleep and awake - its everything except what it is!"


Liebe erblüht im Staunen einer Seele, die nichts erwartet, und sie stirbt an der Enttäuschung des Ich's, das alles fordert. [Gustave Flaubert (1821 - 1880)]

Gedicht

Lyrische Poesie kann als emotionale Poesie bezeichnet werden, was bedeutet, reine Emotionen in ihren verschiedenen Bereichen von Freude, Traurigkeit, Liebe, Hass und anderen menschlichen Gefühlen auszudrücken. Die antiken Dichter drückten einen reinen Ausdruck dieser menschlichen Gefühle aus, und dieser Ausdruck könnte eine Darstellung des Selbst und der Gefühle des Dichters sein.

Entstehung

Seit ihrer Entstehung wurde gereimte Worte mit Musik und Gesang in Verbindung gebracht und daher Lyrik genannt. Die Antike und die Moderne unterschieden sich in der Definition der Lyrik. Die erste Gruppe ging von ihrer äußeren Form aus, die zweite Gruppe vom Inhalt. Dies liegt daran, dass die Alten früher Gedichte sangen und ihre Verse so arrangierten, dass sie das Singen und Singen erleichterten, während einige es als Ausdruck der Emotionen und aufeinanderfolgenden Gefühle im menschlichen Herzen sehen, aus denen lyrische Gedichte entstehen gewebt, die aus dem Innersten des Herzens des Dichters kommen, um das Herz des Empfängers zu erreichen. Lyrische Poesie zeichnet sich durch ihre Wärme und ihren Einfluss auf den Empfänger aus und ist voller innerer Explosionen und verbaler Ausbrüche.

Merkmale

Die Lyrik zeichnet sich, wie andere Arten der Poesie, dadurch aus, dass sie eine bestimmte Sache beschreibt. Sie beschränkt sich nicht nur auf den materiellen Aspekt, weil ihre Emotion und ihr Anspruch über die Wahrnehmung der Realität hinausgeht, sondern sie versucht, das Geheimnis der Ursachen zu ergründen. So wird Poesie zu einer Art Reise in die Welten jenseits der Natur, indem er ihre Merkmale, Grenzen und Bewohner zeichnet und in diesen Welten in seinem Gedicht lebt, in dem es immer einen Liebhaber, einen Bruder oder eine Person gibt, die zwar abwesend ist und die doch im Gedicht "lebendig" erscheint.

Diese Art von Poesie erfasste die Energie des Sinnzusammenhangs der Worte und entfaltete ihre künstlerischen Impulse, als sie in Themen und Zwecke wie Flirt, Beschreibung, Begeisterung, Lob, Klage, Satire, Stolz, Askese und Weisheit umgewandelt wurde. Diese Herangehensweise an die Lyrik hinterließ ein enormes Erbe voller Vitalität und Schönheit.

Themen

Die Themen der Lyrik spiegeln bis heute das menschliche Selbst, seine Höhen und Tiefen sowie seine Freuden und Sorgen wider. Aber die kulturelle und intellektuelle Entwicklung hat einige Veränderungen mit sich gebracht. Beim Loben geht es beispielsweise nicht mehr um Mut und Gerechtigkeit oder um die Lobpreisung von Keuschheit und moralischen Tugenden.
Vielmehr zielt es auch darauf ab, das Gewissen der Nation, ihr Heldentum und ihre nationalen Taten zu besingen und zum Ausdruck zu bringen. Es strebt auch nach Fortschritt und Wohlstand und ruft dazu auf Aufholen mit Nationen. So sind die Themen der Lyrik erneuert worden, aber in einem Ausdruck, der unserem heutigen Leben näher kommt.

Lyrische Poesie verwandelte sich von leidenschaftlichen Emotionen, offenem Flirt und der Beschreibung weiblicher Tugenden in eine Idee, eine Vision, ein Symbol und ein Modell. Somit hat sich sein Anwendungsbereich erweitert und umfasst nun auch das, was das Universum in Form von Kontemplation und Einsicht, Sehnsucht und Nostalgie, Schmerz und Hoffnung, Freude und Traurigkeit erlebt, obwohl lyrische oder emotionale Poesie nach wie vor der unbestrittene Meister darin ist, die Emotionen der Dichter auszudrücken.


 

Und hier einige Gedichte zum Thema Eifersucht, unglückliche Liebe, Herzschmerz, und Liebeskummer. Siehe auch:

 

Tipp: Eine ausgezeichnete Sammlung der schönsten Gedichte zur Weihnachtszeit - auch bekannt als das "Fest der Liebe".

 

Weitere Gedichte


Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. Sie will und soll auch Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, Kunstpoesie und Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen, und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen. [Friedrich Schlegel]


 


Der Geliebten Komplimente machen ist die erste Freiheit, die man sich ihr gegenüber herausnimmt, ist ein Übergang zu anderen Kühnheiten. Ein Kompliment gleicht einem Kuss durch den Schleier. [Victor Hugo, Die Elenden]

 


 

Wir sind ganz angstallein,
haben nur an einander Halt,
jedes Wort wird wie ein Wald
vor unserm Wandern sein.
Unser Wille ist nur der Wind,
der uns drängt und dreht;
weil wir selber die Sehnsucht sind,
die in Blüten steht.

Rainer Maria Rilke


Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb.

Joachim Ringelnatz


In der Zerbrechlichkeit des Lebens liegt eine Schönheit, eine Süße, die es in den flüchtigen Momenten der Freude zu genießen gilt. Denn in der Rohheit unserer Erfahrungen, sowohl der freudigen als auch der leidvollen, werden wir erst richtig lebendig. Wir sind nicht dazu bestimmt, uns vor dem Schmerz des Lebens abzuschirmen, sondern ihn ganz anzunehmen, uns von ihm formen zu lassen, uns zu lehren, uns menschlicher zu machen.
Habt also keine Angst zu lieben, euer Herz der Welt zu öffnen, auch wenn das bedeutet, Herzschmerz zu riskieren. Denn die Süße der Liebe überwiegt bei weitem die Bitterkeit des Verlustes. Und wenn der unvermeidliche Schmerz kommt, finde Trost in der Schönheit der Welt um dich herum, in den einfachen Freuden des Lebens, in den Erinnerungen an Liebe und Lachen. Denn selbst inmitten des Leids gibt es noch Schönheit zu finden.

Louise Erdrich "The Painted Drum"


Wir gehen am Meer im tiefen Sand,
Die Schritte schwer und Hand in Hand.
Das Meer geht ungeheuer mit,
Wir werden kleiner mit jedem Schritt.
Wir werden endlich winzig klein
Und treten in eine Muschel ein.
Hier wollen wir tief wie Perlen ruhn,
Und werden stets schöner, wie die Perlen tun.

Max Dauthendey


Die Liebe lehrt
Mich lieblich reden,
Da Lieblichkeit
Mich lieben lehrte.

Arm bin ich nicht
In Deinen Armen,
Umarmst du mich
Du süße Armut.

Wie reich bin ich
In Deinem Reiche,
Der Liebe Reichtum
Reichst du mir.

O Lieblichkeit!
O reiche Armut!
Umarme mich
In Liebesarmen.

Clemens Brentano


Mehr als mich wirst du die Erinnerung lieben,
wenn das lebendige Bild hinter den Schleier entweicht,
wenn nur der schwebende Hauch verwehender Worte geblieben,
wenn dich der letzte Sinn versunkener Blicke erreicht.

Dann werd ich ganz dein alterndes Leben umschließen,
Einsamster unter den Menschen, daß nie deine Seele verdirbt.
All meine inneren Quellen, die heut noch verborgen dir fließen,
münden gestillt in dein Herz, und alles Leiden stirbt.

Ite Liebenthal (1886 - 1941)


Du meine Seele, du mein Herz,
Du meine Wonn', o du  mein Schmerz,
Du meine Welt, in der ich lebe,
Mein Himmel du, darin ich schwebe,
O du mein Grab, in das hinab
Ich ewig meinen Kummer gab!

Du bist die Ruh, du bist der Frieden,
Du bist der Himmel, mir beschieden.
Daß du mich liebst, macht mich mir wert,
Dein Blick hat mich vor mir verklärt,
Du hebst mich liebend über mich,
Mein guter Geist, mein bessres Ich!

Friedrich Rückert


Du bist mein, ich bin dein.
Dessen sollst du gewiss sein.
Du bist eingeschlossen
in meinem Herzen,
verloren ist das Schlüsselchen:
Du musst auch für immer darin bleiben.

Autor Unbekannt


Ich bin die Nacht. Meine Schleier sind
viel weicher als der weiße Tod.
Ich nehme jedes heiße Weh
mit in mein kühles, schwarzes Boot.

Mein Geliebter ist der lange Weg.
Wir sind vermählt auf immerdar.
Ich liebe ihn, und ihn bedeckt
mein seidenweiches, schwarzes Haar.

Mein Kuss ist süß wie Fliederduft -
der Wanderer weiß es genau...
Wenn er in meine Arme sinkt,
vergisst er jede heiße Frau.

Meine Hände sind so schmal und weiß,
dass sie ein jedes Fieber kühlen,
und jede Stirn, die sie berührt,
muss leise lächeln, wider Willen.

Ich bin die Nacht. Meine Schleier sind
viel weicher als der weiße Tod.
Ich nehme jedes heiße Weh
mit in mein kühles, schwarzes Boot.

Selma Meerbaum-Eisinger


Mit deinen blauen Augen
Siehst du mich lieblich an,
Da wird mir so träumend zu Sinne,
Daß ich nicht sprechen kann.

An deine blauen Augen
Gedenk ich allerwärts; -
Ein Meer von blauen Gedanken
Ergießt sich über mein Herz.

Heinrich Heine


I loved you when I saw you today and I loved you always but I never saw you before. [Ernest Hemingway, For Whom the Bell Tolls]


Fasst du das Wunder?
Ich fass es nicht.
Wir lachten und litten
Und kannten uns nicht.

Wir suchten und ahnten
Und sahen uns kaum,
Da wuchs in uns beiden
Ein Blütentraum.

Wir stellten uns trotzig
und blieben uns fern
Da losch zu unseren
Häuptern ein Stern.

Nun ruht mir am Herzen
Dein liebes Gesicht -
Fasst du das Wunder?
Ich fass es nicht.

Ernst Goll


Wer je gelebt in Liebesarmen,
Der kann im Leben nie verarmen;
Und müßt er sterben fern, allein,
Er fühlte noch die selge Stunde,
Wo er gelebt an ihrem Munde,
Und noch im Tode ist sie sein.

Theodor Storm


Dein Haar hat Lieder, die ich liebe,
und sanfte Abende am Meer -
O glückte mir die Welt! O bliebe
mein Tag nicht stets unselig leer!

So kann ich nichts, als matt verlegen
vertrösten oder wehe tun,
und von den wundersamsten Wegen
bleibt mir der Staub nur auf den Schuhn.

Und meine Träume sind wie Diebe,
und meine Freuden frieren sehr -
dein Haar hat Lieder, die ich liebe,
und sanfte Abende am Meer.

Max Herrmann-Neiße


Zweifle an der Sonne Klarheit,
Zweifle an der Sterne Licht,
Zweifl', ob lügen kann die Wahrheit,
Nur an meiner Liebe nicht.

William Shakespeare (Hamlet, Prinz von Dänemark)


In Tränen geh ich nun allein,
am Quell - Du kennst ihn wohl.
Ich blicke in den Bach hinein,
daß er mich trösten soll.

Du freundlich Liebesangesicht,
wie bist du doch so fern!
Dich bringt mir nun kein Tageslicht,
bringt nicht der Abendstern.

Mein Leben schließt die Augen zu,
weil es Dich nicht mehr sieht,
indes in Träumen ohne Ruh
mein Herz stets zu Dir zieht.

Die leise Welle rinnet klar,
und zeigt den grünen Grund.
O! Welle mache offenbar,
was wohl mich macht gesund!

Die Welle schweigt und fliehet bald,
doch unten frisch und hell
grünt wundervoll ein Pflanzenwald
bedeckt vom klaren Quell.

Und aus dem frischen Wasserreich
steigt hell der Trost zu mir:
»Es grünet so der Hoffnung Zweig
auch unter Tränen Dir.«

Sophie Mereau


Wenn du nur zuweilen lächelst,
Nur zuweilen Kühle fächelst
Dieser ungemeßnen Glut -
In Geduld will ich mich fassen
Und dich alles treiben lassen,
Was der Liebe wehe tut.

Georg Friedrich Daumer


Wie am Rand einer Wolke weiß ich
Noch immer, wie du sprichst,

Auch dir sind von meinen Worten
Die Nächte heller als Tage geworden.

Wir sind, als vom Erdkreis Verbannte,
Wie Sterne im All aufgegangen.

Keine Verzweiflung und keine Scham,
Nicht heute, nicht künftig, nicht dann.

Doch lebend hörst du im Realen,
Wie ich dich rief unter Qualen.

Und die Türe, die du aufgemacht,
Sie zuzuschlagen, es fehlt mir die Kraft.

Anna Achmatowa


Dem Weib gab Schönheit die Natur,
dem Manne Kraft, sie zu genießen.
Ein Tor allein, ein Heuchler nur,
sucht sich der Liebe zu verschließen.

Richard Wagner


Wo sind die Stunden
Der süßen Zeit,
Da ich zuerst empfunden,
Wie deine Lieblichkeit
Mich dir verbunden?
Sie sind verrauscht, es bleibet doch dabei,
Daß alle Lust vergänglich sei.

Ich schwamm in Freude,
Der Liebe Hand
Spann mir ein Kleid von Seide -
Das Blatt hat sich gewandt,
Ich geh im Leide.
Ich wein itzund, daß Lieb und Sonnenschein
Stets voller Angst und Sorgen sein.

Christian Hofmann von Hofmannswaldau


Du bist die Sonne, die nicht untergeht
Du bist der Mond, der stets am Himmel steht
Du bist der Stern, der, wenn die andern dunkeln
Noch überstrahlt den Tag mit seinem Funkeln

Du bist das sonnenlose Morgenrot
Ein heitrer Tag, den keine Nacht bedroht
Der Freud und Hoffnung Widerschein auf Erden
Das bist du mir, was kannst du mehr noch werden?

Hoffmann von Fallersleben


Du bist so schön in des Schneemeers Glanz!
Dir schenk ich für ewig der Liebe Kranz!
Komm mit in mein Schloß, in Himmelshöh'n,
Über Berg und Seen.

Hans Christian Andersen, aus: "Die Schneekönigin"


Manches Mal, in stillen Nächten,
Steigt mir noch Dein Bild empor
Und ich kann's nicht, kann's nicht fassen,
Daß ich Dich so ganz verlor.

Deine großen, braunen Augen,
Mit den Wimpern lang und schwer,
Blicken ganz noch wie vor Zeiten
Warm und innig zu mir her.

Als in jener dunklen Stunde
In das fremde Land Du gingst
Und zum allerletzten Male
Weinend mir am Halse hingst,

Damals hast Du mir versprochen:
"Hören wirst Du bald von mir"
Aber niemals kam ein Zeichen,
Niemals nur ein Gruß von Dir.

… … …

Wilder Schmerzen wüstes Toben
Hat in Wehmut sich gewandt,
Und im raschen Lauf der Tage
Selbst Dein Bild dem Geist entschwand. -

Manchmal nur in stillen Nächten
Steigt es mir noch heiß empor -
Und ich kann's nicht, kann's nicht fassen,
Daß ich Dich so ganz verlor.

Felix Dörmann


Mit den Armen nackt, wie ihr Gewissen,
Liegt die Liebste in den Kissen, in den weißen.
Frühling hat die Fenster aufgerissen,
Sonne rollt den Leib den frühlingsheißen.

Mit der Lust von schönen wilden Tieren
Kommt die Sonne breit auf allen Vieren,
Sonne hat für meine Liebste Zeit;
Wie die Katzen liegen sie beisammen,
Wie die Katzen, deren Haare Funken flammen.

Max Dauthendey


Es hat die Nachtigall
Zu Tode sich gesungen
Von all dem Liederschall
Ist ihr das Herz zersprungen.

Es hat die glühende Kerze
Von innen sich verzehrt,
Und du, mein brennend Herze,
Du hast es so begehrt.

Luise von Plönnies


Glücklich, wem die Tage fließen
Wechselnd zwischen Freud und Leid,
Zwischen Schaffen und Genießen,
Zwischen Welt und Einsamkeit.

Emanuel Geibel


Der hat noch immer Trost gefunden,
Der ihn zu suchen war bereit;
Ein Kranker, der nicht will gesunden,
Krankt mehr an Selbstsucht als an Leid.

Wie weh dir auch getan die Welt,
Du musst dich doch mit ihr versöhnen.
Und zu vergessen dich gewöhnen;
Denn sie allein ist's, die dich hält.

Julius Hammer


"Höre auf nun, Liebster, mich zu küssen,
Mich zu küssen mit dem heißen Munde;
Was hilft mir der Kuss von dieser Stunde
In der nächsten, die dich mir entrissen?"

Liebes Herz, nicht darum küsse ich,
Daß es helfe, noch den Mut dir stähle;
Ach, im Kusse klammert sich an dich
Meine arme, trennungsbange Seele.

Ricarda Huch (1864 - 1947)


Auf meiner Herzliebsten Äugelein
Mach ich die schönsten Kanzonen.
Auf meiner Herzliebsten Mündchen klein
Mach ich die besten Terzinen.

Auf meiner Herzliebsten Wängelein
Mach ich die herrlichsten Stanzen.
Und wenn meine Liebste ein Herzchen hätt,
Ich machte darauf ein hübsches Sonett.

Heinrich Heine


Zarte Liebe spricht in Farben,
Nicht in Tönen will sie fleh'n:
Worte, die im Munde starben,
In den Wangen aufersteh'n.

Dir hab' ich in Aug' und Wangen
Liebesworte blühn geseh'n;
Ach mein Sehnen und Verlangen
Magst du stumm nun auch versteh'n.

Laß, die mir im Munde starben,
Meine Worte, schweigend fleh'n:
Blühen will die Lieb' in Farben,
Nicht in Tönen rasch verweh'n.

Robert Hamerling (1830 - 1889)


Viel deutsche Märchen erzähl' ich dir
Von Dornröschen, schlafumfangen,
Und wie Rotkäppchen mit dem Wolf
Durch den finstern Wald gegangen.

Frau Holle reitet durchs weite Tal
Und streuet Flachs in die Felder
Und hoch vom Berge schaut Rübezahl
Hinab auf die wogenden Wälder.

In Küche und Keller da schaffen fein
Die Heinzelmännlein, die guten,
Es tanzen die Elfen bei Mondenschein,
Die Nixen in schimmernden Fluten!

Wie glänzt dein Auge, wie lacht dein Mund!
Nicht müde wirst du zu lauschen
Indes uns beide viel Träume hold
Um gaukeln und umrauschen.

Dich meine Märchen und mich dem Glück!
O könnt' ich's fassen und halten
Und schützen mit meiner Liebe Schild
Vor allen Zaubergewalten!

Sophie von Khuenberg (1863 - 1907)


Auf die Hände küßt die Achtung,
Freundschaft auf die offene Stirn;
Auf die Wangen Wohlgefallen;
Selige Liebe auf den Mund;

Auf's geschlossene Aug' die Sehnsucht,
In die hohle Hand Verlangen,
Arm und Nacken die Begierde,
Alles weitere Raserei.

Franz Grillparzer


Da fahr ich still im Wagen,
Du bist so weit von mir,
Wohin er mich mag tragen,
Ich bleibe doch bei dir.

Da fliegen Wälder, Klüfte
Und schöne Täler tief,
Und Lerchen hoch in Lüften,
Als ob dein' Stimme rief.

Die Sonne lustig scheinet
Weit über das Revier,
Ich bin so froh verweinet
Und singe still in mir.

Vom Berge geht's hinunter,
Das Posthorn schallt im Grund,
Mein' Seel wird mir so munter,
Grüß dich aus Herzensgrund.

Joseph von Eichendorff

Ich Liebe!

Nun mag die Welt in ihren Festen beben,
entfesselt wüten mag das Element; –
denn eine neue Ära tritt ins Leben,
die keinen Haß und keinen Streit mehr kennt!

Durch meine Seele ziehts mit Zauberweben
o! wie’s im Herzen glückverheißend brennt!
Die Pulse fliegen mir, die Lippen beben,
ich fühls, das ist es, was sich "Liebe" nennt!

Und möge alles rings in nichts versinken, ich lebe und der Liebe Sterne winken!

Rainer Maria Rilke

Hand in Hand

Die Andern lachten
    und gingen vorbei.
Wir aber dachten,
    wie schön es sei:

So still zu gehen
    durchs freie Land
Im Abendwehen
    und Hand in Hand.

John Henry Mackay

Worte zu einer indischen Melodie

Ich erwach' aus Träumen von dir
Im ersten Schlummer der Nacht,
Wenn die Winde flüstern im Laub,
Und die Sterne schimmern voll Pracht.
Ich erwach' aus Träumen von dir,
Und ein magischer Zauber trieb
Meine Schritte mit stürmender Hast
Zu deinem Fenster, mein Lieb.

Die Lüfte schweigen so bang
Auf dem stillen und dunklen Strom;
Wie ein lieblicher Traum verweht
Der Champak-Blüten Arom;
Der Nachtigall Klagelied
Erstirbt in ihrer Brust,
Wie ich in dir vergeh',
Du mein Leben, meine Lust!

O, hebe mich empor!
Ich sterb', ich verschmachte hier!
Auf Lippen und Augen lass
Deine Küsse regnen mir!
Meine Wang' ist bleich und kalt,
Wildstürmisch pocht die Brust!
O, schließ mein Herz an deins,
Wo es brechen wird vor Lust!

Percy Bysshe Shelley; übersetzt von Adolf Strodtmann (1829-1879)

Unerklärbar

Ich weiß es nicht, warum die Blume blüht,
Ich weiß, sie muß erblühn und Düfte spenden;
Ich weiß es nicht, warum der Stern entglüht,
Ich weiß es nur, er muß die Strahlen senden.

Ich weiß es nicht, warum die Welle fließt,
Ich weiß es nur, sie muß und darf nicht weilen,
Warum der Strom sich in das Meer ergießt,
Ich weiß es nicht, er muß zum Meer enteilen.

Ich weiß es nicht, warum so nah als fern
Dein Bild so treu im Herzen mir geblieben;
Vergebens fragst du Blume, Well' und Stern
So weiß auch ich allein, ich muß dich lieben.

Auguste Kurs (1815 - 1892)

Sehnsucht nach Mitgefühl

Ist denn kein Aug' in diesem Kreis,
In das ich blicken könnte,
Aus dem der Liebe Zauber heiß
Mir noch entgegen brennte?

Kein treues Auge, dessen Rand
Das Mitgefühl noch nässte?
Erspäh' ich nirgend eine Hand,
Die an das Herz ich presste?

Allein! Verstoßen und gehaßt
Mit so viel Glutgefühlen!
Es wird des Schmerzes Riesenlast
Mein Leben unterwühlen.

Und muß allein ich stehn: es sei!
Ich will mich nicht beschweren.
Doch soll den wilden Schmerzensschrei
Zuletzt mir Keiner wehren.

Ludwig Storch; Vermischte Gedichte

Die Glocke des Glücks

Viele Glocken hör' ich läuten,
Nun es Abend werden will –
Eine nur will nimmer klingen,
Eine nur ist ewig still.

Tiefe Glocke meines Glückes:
Einmal noch zur Abendzeit
Singe über meinem Hügel
Jenes Lied voll Seligkeit.

Dem ich meine junge Stirne
Lauschend einst empor gewandt,
Da ich noch auf hellen Wegen
Schritt an meines Liebsten Hand.

Anna Ritter

Waldgang

Ich ging an deiner Seite
In einem Buchenhaine;
Ein störendes Geleite
Ließ nimmer uns alleine.

Und mussten wir zurücke
Ins Herz die Worte pressen,
Uns sagten unsre Blicke,
Daß wir uns nicht vergessen.

Und sehn wir uns nicht wieder
In diesem Erdenleben,
Dich werden meine Lieder
Verherrlichend umschweben.

Das Bächlein trieb hinunter
Der Wellen rasche Tänze,
Und rauschend flocht und bunter
Der Herbst der Wehmut Kränze.

Doch aus des Walds Verdüstern,
Den Stimmen des Vergehens,
Hört ich die Hoffnung flüstern
Des ewgen Wiedersehens.

Nikolaus Lenau

Blick auf die Unbekannte

Also richtete ich gegen die Unbekannte ein volles Auge, die Mattscheibe der Absichtslosigkeit vorgehängt. Ich stellte dann den Blick auf: gebannt, mischte etwas Zärtlichkeitsessenz hinein, setze einen Hauch von Ehrerbietung zu und ein Atom: „Ach, dass nicht sein kann, was doch vielleicht so schön wäre“. Sie, versonnene Gleichgültigkeit in den Mienen, regte sich nicht unter der Bestrahlung.
Mein Blick traf den Ihren nur in einem sehr flachen Winkel, drang nicht durch, sondern glitt tangential ab. Offenbar hatte die Bemerkenswerte mich gar nicht bemerkt.

Im Theater, während des Zwischenaktes, sah ich sie wieder, versonnene Gleichgültigkeit in den Mienen, zur Seite eines Herrn, parlando auf und ab. Annäherung schien unmöglich. Das erleichterte meine innere Situation, denn ich kam nicht in die Lage, keinen Mut zu haben. Und dann sah ich sie nicht mehr, nie mehr. Sie entschwand uns, wurde Erinnerung, und bald nur mehr Erinnerung an eine Erinnerung. Sie floss ein in das Meer des ungelebten Lebens, dessen Rauschen himmlische Musik ist dem Jüngling, höllische dem Alternden.

Alfred Polgar (1873 - 1955); Das große Lesebuch, Begegnung

Seele der Liebenden

Einmal schon liebte ich dich
Und das Meer, das Meer.
Doch lichter waren damals
Die Seelen, ungetrübt
Von dunklen Taten.

Es sangen unsere Liebe
Strahlend die Sterne,
Und das Meer, das Meer.

Wieviel hundert Jahre
Sind seitdem vergangen,
Wieviel Leiden und Tode
Und Sterne. Wo blieben
Die Seelen so lange?

Wir halten uns schweigend
Die schauernden Hände.
Wir blicken uns tief
In die fragenden Augen.

Noch singen die Sterne
Und das Meer, das Meer.
Aber unfaßbar ewig
Ist die Vergangenheit
Der menschlichen Seele.

Franziska Stoecklin

Der Kuß

Wie unvergleichlich ist
Die Schöne, die recht küßt!
In ihren Küssen steckt
Was Tausend Lust erweckt.

Den Mund gab die Natur
Uns nicht zur Sprache nur:
Das, was ihn süßer macht,
Ist, dass er küsst und lacht.

Ach, überzeuge dich
Davon, mein Kind durch mich
Und nimm und gib im Kuss
Der Freuden Überfluss.

Friedrich von Hagedorn

Die Träume

Ich träumte unterm Lindenbaum
von Frühlingsduft und Blüten,
und als ich war erwacht vom Traum,
da hört’ ich Stürme wüten,
und Zweige lagen dürr herum,
und gelbe Blätter um und um,
und kalter Reif hing silberweiß
an jedem Reis.

Einst träumt’ ich auch von Lieb’ und Treu’
und schwamm in süßen Wonnen,
doch plötzlich riss der Traum entzwei,
die Luft war all’ zerronnen;
ich fühlt’ um mich, und fand kein Herz,
ich fühlte nur an hartes Erz,
und kalt war alles rings um mich,
und fürchterlich.

Ich träumte dann von Sturm und Schnee,
von Hagel, Nacht und Schauer,
von bitt’rer Qual, von heißem Weh,
von Gram und banger Trauer;
und wie ich da vom Traum erwacht,
hat heit’rer Tag mich angelacht,
und wonnig zog durch meine Brust
des Himmels Lust.

Karl Egon Ebert (1801 – 1882)

Seliger Tod

Gestorben war ich
Vor Liebeswonne;
Begraben lag ich
In ihren Armen;
Erwecket ward ich
Von ihren Küssen;
Den Himmel sah ich
In ihren Augen.

Ludwig Uhland

Damentoast im Obstgarten

Casanova sprach lächelnd zu seinen Gästen:
„Mit den Frauen ist es,
ich hoffe, ihr wißt es,
wie mit den Äpfeln rings an den Ästen.
Die schönsten schmecken nicht immer am besten.“

Erich Kästner

Was geht es dich an

Wenn dir mein Auge mit trunknem Entzücken
Folget, so weit es dich sehen nur kann.
Wenn deine Worte mich innig beglücken,
Wo ich sie höre - was geht es dich an?

Bist du der Stern mir, der Strahlen versendet
Auf meines Lebens umdüsterte Bahn,
Bist du die Sonne mir, die mich verblendet,
Wenn ich dir gut bin, was geht es dich an?

Bist du die Gottheit, die still ich verehre,
Zu der ich hohes Vertrauen gewann
Und ihr im Herzen errichtet Altäre -
Wenn ich dich liebe, was geht es dich an?

Wenn ich nichts fordre, so mußt du es dulden,
Was ich an Opferrauch für dich ersann;
Was ich auch leide, ist nicht dein Verschulden,
Und wenn ich sterbe, so geht's dich nichts an.

Kathinka Zitz (1801 - 1877)

Ich bin sehr müde

Mein Fenster lehnt sich weit in den Abend hinaus,
Die Wolken stehen über den Dächern, ein Blumenstrauß,
Die Luft streichelt mich und ist sanft und voll großer Güte.

Ich aber halte die Hände gefaltet, denn ich bin müde,
Und höre verwundert auf das beschwingte Schreiten
Der Menschen, die auf der Straße vorübergleiten,
So sehr sind ihnen heute die Glieder leicht.

Nur ich liege, schwergebettet in meine Müde.
Manchmal höre ich einen Schritt, der Deinem gleicht,
Dann bin ich, Geliebter, wie die Musik der Schritte leicht
Und wie die Wolken über den Dächern silberne Blüte.

Maria Luise Weissmann (1899 - 1929)


 

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