LiebesgedichteLiebesgedichte

Eine Liste der schönsten Abschiedsgedichte - Klassiker als auch moderne; sowohl kurz als auch lang - und manche sind auch traurig.

Der Abschied

Laß mein Aug den Abschied sagen,
Den mein Mund nicht nehmen kann!
Schwer, wie schwer ist er zu tragen!
Und ich bin doch sonst ein Mann.

Traurig wird in dieser Stunde
Selbst der Liebe süßstes Pfand,
Kalt der Kuß von deinem Munde,
Matt der Druck von deiner Hand.

Sonst, ein leicht gestohlnes Mäulchen,
O wie hat es mich entzückt!
So erfreuet uns ein Veilchen,
Das man früh im März gepflückt.

Doch ich pflücke nun kein Kränzchen,
Keine Rose mehr für dich.
Frühling ist es, liebes Fränzchen,
Aber leider Herbst für mich!

Johann Wolfgang von Goethe

In böser Stunde

Ein schwaches Stäbchen ist die Liebe,
Das deiner Jugend Rebe trägt,
Das wachsend bald der Baum des Lebens
Mit seinen Ästen selbst zerschlägt.

Und drängtest du mit ganzer Seele
Zu allerinnigstem Verein,
Du wirst am Ende doch, am Ende
Nur auf dir selbst gelassen sein.

Theodor Storm

Abschied

Ich weiß nicht mehr genau, wie es gekommen.
Kurzum! Nach längerem Verborgensein
Hab' ich dereinst auf Erden Platz genommen,
Um auch einmal am Licht mich zu erfreun.
Und alsogleich faßt' mich die Zeit beim Kragen
Und hat mich neckisch, ohne viel zu fragen,
Bald gradeaus, bald wiederum im Bogen,
Durch diese bunte Welt hindurchgezogen.

Inzwischen pflückt' ich an des Weges Rand
Mir dies und das, was ich ergötzlich fand.
Auch leert' ich manchmal manchen vollen Krug
Mit guten Freunden, bis es hieß: Genug!
Nur eins erschien mir oftmals recht verdrießlich:
Besah ich was genau, so fand ich schließlich,
Daß hinter jedem Dinge höchst verschmitzt
Im Dunkel erst das wahre Leben sitzt.

Allein, wozu das peinliche Gegrübel?
Was sichtbar bleibt, ist immerhin nicht übel.
Nun kommt die Nacht. Ich bin bereits am Ziele.
Ganz nahe hör' ich schon die Lethe fließen.
Und sieh! Am Ufer stehen ihrer viele,
Mich, der ich scheide, freundlich zu begrüßen.
Nicht allen kann ich sagen: Das tut gut!
Der Fährmann ruft. Ich schwenke nur den Hut.

Wilhelm Busch

Das Glück

Hat wer von Glück gesprochen?
Ist gar ein schönes Wort,
Dem Ohr ist es verklungen,
Dem Herzen hallt es fort.

Wie eine holde Sage,
Vom Glauben fromm geweiht,
So wie ein reizend Märchen
Aus längst vergangner Zeit.

Es weckt so süße Ahnung
Wo es die Herzen traf,
Und wiegt auch große Kinder
Zuweilen noch in Schlaf.

Auguste Kurs (1815 - 1892)

Der Abend

Die Wolken waren fortgezogen,
Die Sonne strahlt' im Untergang,
Und am Gebirg der Regenbogen,
Als ich von meinem Lager sprang.

Da griff ich nach dem Wanderstabe,
Sprach meinem Wirt' ein herzlich Wort
Für Ruhestatt und milde Labe,
Und zog in stiller Dämm'rung fort.

Nikolaus Lenau

Abschied

Weißt, was mir träumte?
Wir nahmen Abschied
fürs Leben.
Deine Arme
umschlangen mich
und deine Lippen brannten
und bebten…
Brannten und bebten Verheißung
Einer Nacht,
einer chaotischen Nacht…
Irgendwo …
Irgendwann …
Vielleicht nicht einmal
auf dieser Erde …
Auf einem Stern vielleicht,
da Unschuld noch
in innerster Freiheit
nimmt und gibt
wie es sie drängt.

Und ich zog dich
enger an mich
und küßte dich inniger.
Dann endlich
löstest du langsam
die lieben Arme
und schürztest dein Haar
in den strengen Knoten zurück
Ich legte den Mantel dir
um die Schultern.
Die Tür fiel zu.
Und drunten im Schnee
lief eine schmale Spur
magdlicher Stapfen
hinaus,
weit, weit
in die mondhelle,
einsame Nacht.

Christian Morgenstern


Wer noch nie ein treues Herz gebrochen,
Hat die Liebe noch nicht ganz empfunden,
Kennet nicht das ruhelose Pochen
Und das Strömen ew'ger Todeswunden.

Einen Abschied für das ganze Leben -
Wer ihn nie mit bleichem Mund gesprochen,
Ist der Qual noch nicht dahin gegeben,
Daß ein treues Herz für ihn gebrochen.

Der allein kann Herzen nur verstehen,
Der das seine konnte unterjochen;
Der mit trock'nen Augen stumm gesehen,
Wie ein treues Herz für ihn gebrochen.

Feodor Löwe


Hast nicht ein einzig Mal zurückgeschaut,
Den langen Weg!
Froh schrittest du dahin und sangest laut
Im Waldgeheg.

Ich aber nestelte in bittrem Leid
Den kleinen Strauß
Verwelkter Veilchen von dem weißen Kleid -
Es war ja aus!

Und rings auf Erden war es Frühling doch,
Auf allen Höhn,
In allen Tälern lag die Sonne noch,
So wunderschön!

Anna Ritter (Aus der Sammlung: Nach Jahren)

Der Abend ist mein Buch. Ihm prangen
die Deckel purpurn in Damast;
ich löse seine goldnen Spangen
mit kühlen Händen, ohne Hast.

Und lese seine erste Seite,
beglückt durch den vertrauten Ton, -
und lese leiser seine zweite,
und seine dritte träum ich schon.

Rainer Maria Rilke

 

 

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