LiebesgedichteLiebesgedichte

Eine Liste der schönsten Trauer Gedichte - Klassiker als auch moderne; sowohl kurz als auch lang - und manche sind auch wehmütig.

Wunsch am Abend

Sturm gestillt zu leisem Hauch,
Welch ein Abendfrieden --
Wär einst meinem Leben auch
Solch ein End beschieden!

Martin Greif

Letzte Worte

Geliebte, wenn mein Geist geschieden,
So weint mir keine Träne nach;
Denn, wo ich weile, dort ist Frieden,
Dort leuchtet mir ein ew'ger Tag!

Wo aller Erdengram verschwunden,
Soll euer Bild mir nicht vergehn,
Und Linderung für eure Wunden,
Für euern Schmerz will ich erflehn.

Weht nächtlich seine Seraphsflügel
Der Friede übers Weltenreich,
So denkt nicht mehr an meinen Hügel,
Denn von den Sternen grüß' ich euch!

Annette von Droste-Hülshoff

Ruhe

Mein Herz ist schlafen, wie ein stiller See.
Und ruhig gleiten meine weichen Lieder,
wie Schwäne, leise rinnende Kreise ziehend, – weißt du? –
über die sehnsuchtssingende Fläche.

Doch wirfst du deines Auges milden Strahl
in meiner singenden Seele lauschenden Grund,
dann blickt der Mond, in Silberblau getaucht,
Duftnebel streuend auf den dunkeln See,
ein Tönen schwingt sich flüsternd über die Weiten,
stillreger Wipfel Mondesnachtgesang,
die Schwäne rühren träumend ihr Gefieder
und singen wundertief und wehmutsselig
der Mutter Nacht ein nebeltrübes Lied.

Walter Calé (1881 - 1904)

Grabschrift eines Mannes

Alles stirbt. Auch die Freunde sterben.
Sorget nicht um mein Grab.
    Erde bedeck' es.
    Wind beleck' es.
    Sonne beschein es.
    Regen bewein es.
Treulos sind Menschentränen,
Menschenarme und Menschenküsse.

Doch eure Herbe und Süße,
ihr vier unsterblichen Freunde,
dringet zu mir hinab.

Rudolf G. Binding (1867 - 1938)

Ihr Grab

Es blüht ein Grab in treuer Hut,
Das beste Herz darinnen ruht.

Zu oberst blühen Rosen rot –
Dein Mund so manchen Kuß mir bot.

Und weiter ab die Lilie blüht –
Dein Herz hat rein für mich geglüht.

Zu Füßen liegt ein grüner Kranz –
Ich schwang dich oft im Maientanz.

Die Leute gehen dran vorbei,
Mir aber bricht das Herz entzwei.

Martin Greif

Einem Toten

O welch ein Weh, daß du gestorben,
Du, der das Leben selber war,
Ich seh' dich noch, dein Auge leuchtet,
Es fliegt im Wind dein blondes Haar.

Die milden Lippen sprechen Worte
Von unvergeßlich süßem Klang,
Ich lausche hin mit trunkner Seele
So sehnsuchtstrüb, so wonnebang.

Und nicht um tausend helle Tage
Geb' ich die eine Stunde hin —
O welch ein Weh, daß du gestorben
Und daß ich noch am Leben bin!

Sophie von Khuenberg; aus der Sammlung "Begrabene Blumen"

Abendlied

Schallendes Hämmern
Tief unten im Tal,
Streitendes Hämmern
Mit sterbendem Strahl.

Nahe wie ferne
Der Glocken Geläut,
Leuchtende Sterne
Am Himmel gestreut.

Frieden und Schlummer,
Ihr kehret nun ein,
Scheuchet den Kummer
Und löset die Pein.

Martin Greif

Fremd in der Heimat

In der Heimat war ich wieder,
Alles hab ich mir besehn,
Als ein Fremder, auf und nieder,
Musst ich in den Straßen gehn.

Nur im Friedhof fern alleine
Hab ich manchen Freund erkannt,
Und bei einem Leichensteine
Fühlt ich eine leise Hand.

Martin Greif

Auf dem Friedhof

Kirchenschatten, Dämmernacht
Breitverzweigter Linden,
Kreuz und Kranz so überdacht
Und umspielt von Winden.

Glockenklang und Drosselschlag,
Hügel still an Hügel,
Drüber wiegt ein Sommertag
Sich auf goldnem Flügel.

Gustav Falke; aus der Sammlung: "Vermischte Gedichte"


O Herr, gib jedem seinen eignen Tod,
das Sterben, das aus jenem Leben geht,
darin er Liebe hatte, Sinn und Not.

Denn wir sind nur die Schale und das Blatt.
Der große Tod, den jeder in sich hat,
das ist die Frucht, um die sich alles dreht.

Rainer Maria Rilke; Das Stundenbuch


Was war mein Leben, wenn es heut soll enden?
Verträumt? Verloren? Nein, es war ein Ring
von stillen Freuden, die mit vollen Händen
ich nahm und weitergab und neu empfing.

Es war ein Liebesbund mit dieser Erde,
die mich mit ihrer Schönheit tief beglückt
und immer doch mit mächtiger Gebärde
mein Ziel hinaus ins Ewige gerückt.

Es war mit Wasser, Bergeswind und Fluren
ein brüderlicher Bund, der niemals brach,
mit allen Wolken, die im Blauen fuhren
und deren Lied von uns`rer Heimat sprach.

Mit ihren großen ewigen Gewalten
hab ich in Treue Brüderschaft gehalten;
und meine Sünde war in all den Jahren,
dass sie mir lieber als die Menschen waren.

Hermann Hesse


Letzte Rose, wie magst du
so einsam hier blühn?
Deine freundlichen Schwestern
sind längst, schon längst dahin
Keine Blüte haucht Balsam
mit labendem, labendem Duft
keine Blätter mehr flattern
in stürmischer Luft

Warum blühst du so traurig
im Garten allein?
Sollst im Tod mit den Schwestern
mit den Schwestern vereinigt sein
Drum pflück ich, o Rose
vom Stamme, vom Stamme dich ab
Sollst ruhen mir am Herzen
und mit mir, ja mit mir im Grab.

Text: Friedrich Wilhelm Riese (1830) inspiriert durch „The last rose of summer“ von Thomas Moore.
Musik: nach dem irischen Volkslied „Groves of Blarney“; bekannt wurde das Gedicht durch die Oper „Martha“ von Friedrich von Flotow, uraufgeführt am 1847 in Wien.


Was einer ist, was einer war,
beim Scheiden wird es offenbar.
Wir hören' s nicht, wenn Gottes Weise summt-
wir schaudern erst, wenn sie verstummt.

Hans Carossa


Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.

So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehen,
So sagten schon Sibyllen, so Propheten;
Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.

Johann Wolfgang von Goethe


Mir ist, als ob ich alles Licht verlöre.
Der Abend naht und heimlich wird das Haus;
ich breite einsam beide Arme aus,
und keiner sagt mir, wo ich hingehöre.

Wozu hab ich am Tage alle Pracht
gesammelt in den Gärten und den Gassen,
kann ich dir zeigen nicht in meiner Nacht,
wie mich der neue Reichtum größer macht
und wie mir alle Kronen passen?

Rainer Maria Rilke


Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht.
Er fiel auf die zarten Blaublümelein,
sie sind verwelket, verdorret.

Ein Knabe hatte ein Mägdlein lieb,
sie flohen gar heimlich von Hause fort,
es wusst’s nicht Vater noch Mutter.

Sie sind gewandert hin und her,
sie haben gehabt weder Glück noch Stern,
sie sind verdorben, gestorben.

Auf ihrem Grab Blaublümlein blühn,
umschlingen sich zart wie sie im Grab,
der Reif sie nicht welket, nicht dorret.

Volksgut; 1825 von Anton Wilhelm von Zuccalmaglio veröffentlicht und 1829 von Heinrich Heine zitiert.


Es wandelt, was wir schauen,
Tag sinkt ins Abendrot,
Die Lust hat eignes Grauen,
Und alles hat den Tod.

Ins Leben schleicht das Leiden
Sich heimlich wie ein Dieb,
Wir alle müssen scheiden
Von allem, was uns lieb.

Was gab es doch auf Erden,
Wer hielt' den Jammer aus,
Wer möcht' geboren werden,
Hieltst Du nicht droben Haus!

Du bist's, der, was wir bauen,
Mild über uns zerbricht,
Dass wir den Himmel schauen -
Darum so klag ich nicht.

Joseph von Eichendorff


Gefährlich und schlecht sind nur jene Traurigkeiten, die man unter die Leute trägt, um sie zu übertönen; wie Krankheiten, die oberflächlich und töricht behandelt werden, treten sie nur zurück und brechen nach einer kleinen Pause umso furchtbarer aus; und sammeln sich an im Innern und sind Leben, sind ungelebtes, verschmähtes, verlorenes Leben, an dem man sterben kann.
Wäre es uns möglich, weiter zu sehen, als unser Wissen reicht, und noch ein wenig über die Vorwerke unseres Ahnens hinaus, vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden.

Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist, etwas Unbekanntes; unsere Gefühle verstummen in scheuer Befangenheit, alles in uns tritt zurück, es entsteht eine Stille, und das Neue, das niemand kennt, steht mitten darin und schweigt.

Ich glaube, dass fast alle unsere Traurigkeiten Momente der Spannung sind, die wir als Lähmung empfinden, weil wir unsere befremdeten Gefühle nicht mehr leben hören. Weil wir mit dem Fremden, das bei uns eingetreten ist, allein sind; weil uns alles Vertraute und Gewohnte für einen Augenblick fortgenommen ist; weil wir mitten in einem Übergang stehen, wo wir nicht stehen bleiben können.
Darum geht die Traurigkeit auch vorüber: Das Neue in uns, das Hinzugekommene, ist in unser Herz eingetreten, ist in seine innerste Kammer gegangen und ist auch dort nicht mehr, – ist schon im Blut. Und wir erfahren nicht, was es war. Man könnte uns leicht glauben machen, es sei nichts geschehen, und doch haben wir uns verwandelt, wie ein Haus sich verwandelt, in welches ein Gast eingetreten ist.

Wir können nicht sagen, wer gekommen ist, wir werden es vielleicht nie wissen, aber es sprechen viele Anzeichen dafür, dass die Zukunft in solcher Weise in uns eintritt, um sich in uns zu verwandeln, lange bevor sie geschieht. Und darum ist es so wichtig, einsam und aufmerksam zu sein, wenn man traurig ist:
Weil der scheinbar ereignislose und starre Augenblick, da unsere Zukunft uns betritt, dem Leben so viel näher steht, als jener andere laute und zufällige Zeitpunkt, da sie uns, wie von außen her, geschieht. Je stiller, geduldiger und offener wir als Traurige sind, umso tiefer und umso unbeirrter geht das Neue in uns ein, umso besser erwerben wir es, umso mehr wird es unser Schicksal sein, und wir werden uns ihm, wenn es eines späteren Tages „geschieht“ [das heißt: aus uns heraus zu den anderen tritt] im Innersten verwandt und nahe fühlen. Und das ist nötig.

Es ist nötig – und dahin wird nach und nach unsere Entwicklung gehen –, dass uns nichts Fremdes widerfahre, sondern nur das, was uns seit lange gehört. Man hat schon so viele Bewegungs-Begriffe umdenken müssen, man wird auch allmählich erkennen lernen, dass das, was wir Schicksal nennen, aus den Menschen heraustritt, nicht von außen her in sie hinein. Nur weil so viele ihre Schicksale, solange sie in ihnen lebten, nicht aufsaugten und in sich selbst verwandelten, erkannten sie nicht, was aus ihnen trat; es war ihnen so fremd, dass sie, in ihrem wirren Schrecken, meinten, es müsse gerade jetzt in sie eingegangen sein, denn sie beschworen, vorher nie Ähnliches in sich gefunden zu haben.
Wie man sich lange über die Bewegung der Sonne getäuscht hat, so täuscht man sich immer noch über die Bewegung des Kommenden. Die Zukunft steht fest, lieber Herr Kappus, wir aber bewegen uns im unendlichen Raume.

Rainer Maria Rilke; Breife an einen jungen Dichter; Brief an Franz Xaver Kappus; Flädie (Schweden), am 12. August 1904


Gekämpft hat meine Barke
Mit der erzürnten Flut.
Ich seh' des Himmels Marke,
Es sinkt des Meeres Wut.

Ich kann dich nicht vermeiden,
O Tod nicht meiner Wahl!
Das Ende meiner Leiden
Beginnt der Mutter Qual.

O Mutterherz, dich drücke
Dein Schmerz nicht allzu sehr!
Nur wenig Augenblicke
Trennt uns des Todes Meer.

Dort angelangt, entweiche
Ich nimmermehr dem Strand:
Seh' stets nach dir, und reiche
Der Landenden die Hand

Elisabeth Kulmann

 

 

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